In etlichen alten Kräuterbüchern sind verschiedene Beifuss-Arten zu finden. Damit ist die Pflanzen-Zuordnung und deren Wirkung nicht ganz einfach. Insbesondere Dioskurides und Plinius erwähnten viele unterschiedliche Artemisia-Arten. Oft tauchen die Bezeichnungen «Artemisia cina» oder «Artemisia, Sementina ex Oriente» auf, welche auf die gleiche Pflanze hindeuten.

Collage mit dem gemeinen Beifuss

Die Namensgeberin des gemeinen Beifuss (Artemisia vulgaris) ist die griechische Jagd- und Waldgöttin Artemis.

Viele Kräuterkundige nutzten den Beifuss früher regelmässig. Insbesondere in der Frauenheilkunde. Auch Hildegard von Bingen setzte ihn, als Gewürz in der täglichen Nahrungsaufnahme ein.

Über die Jahre hinweg, geriet der Beifuss in Mitteleuropa etwas in Vergessenheit. Nicht so in der asiatischen Kultur. Dort ist der Beifuss eine wichtige Heil- und Schamanenpflanze. Bekannt auch unter dem Begriff: Moxa.

Bei uns wurde im Mittelalter der Beifuss rituell gegen Hexerei und Dämonen eingesetzt. Besonders beliebt war dabei der Gürtel gegen alles Unliebsame in den Gedärmen.

Seit einiger Zeit wird vor allem am einjährige Beifuss (Artemisia annua) vermehrt geforscht. Insbesondere da der Wirkstoff Artemisinin starke antibakterielle Wirkung gegen den Malariaerreger aufweist. Allerdings wurde dieser Wirkstoff schon in alten Büchern für den gemeinen Beifuss erwähnt. Somit lässt sich vermuten, dass Artemisinin auch in anderen Beifuss-Arten zu finden ist. 1

Der gemeine Beifuss wird oft mit dem invasiven Neophyten Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia) verwechselt. Ambrosia sollte entfernt werden. Der einheimische Beifuss dagegen darf bleiben. 2

FAQ – Fragen & Antworten zum Beifuss

Botanik

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Welcher Pflanzenteil (Droge) vom Beifuss wird verwendet?

Kraut (Artemisiae herba), Wurzel (Artemisiae radix)

Gemäss alter Literatur sollen die Samen (Artemisiae semen) die meiste Wirkung haben.

Zu welcher Familie gehört der Beifuss?

Korbblütler (Asteraceae)

Welche Inhaltsstoffe sind im Beifuss enthalten?

Die Inhaltsstoffe variieren teilweise recht stark. Sie sind abhängig vom Standort.

Ätherisches Öl (Kampfer, Thujon, Santonin), Flavonoide(Quercetin, Rutin), Cumarine(Esculetin), Bitterstoffe (Triterpene), Carotinoide, Gerbstoffe

Pharmazie & Medizin

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Galenik

Wie kann man den Beifuss anwenden?

Gewürz, Tee, Tinktur, Räucherung, Bad, Rauchen / Inhalieren, Wickel, Auflagen, Moxibustion

Wie wirkt der Beifuss?

Antioxidativ, gallensaftanregend, verdauungsfördernd, durchblutungsfördernd, leberschützend, antibakteriell, immunmodulierend, antihelmintisch, emmenagog, zusammenziehend, ausgleichend auf Östrogen- und Gestagenhaushalt

Anwendungsbereiche

Indikation: Bei welchen Hauptbeschwerden kann der Beifuss eingesetzt werden?

Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden, Durchfall, Verstopfung, Wurmkur

Kontraindikation: Wann darf ich den Beifuss nicht nutzen?

Bei Schwangerschaft, da es einen Abbruch bewirken kann. Ausserdem bei Korbblütler-Allergie

Welche Nebenwirkungen kann der Beifuss haben?

Allergische Reaktion, eventuell leicht rot gefärbter Urin

Wie ist die Wirkung beim Räuchern des Beifusses?

Ritualpflanze zum Reinigen und aktivieren.
Soll angeblich eine psychoaktive, berauschende Wirkung haben.

Spezielles

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Gibt es spezielle Anwendungen und Forschungen zum Beifuss?

Gemäss neuen Forschungen soll Beifuss allgemein den Stoffwechsel verbessern und gegen Malaria wirken.

Je nach Literatur soll Beifuss auch bei diversen weiteren viralen und bakteriellen Infektionen wirken. Dazu zählen: Boviner Durchfall-Virus, Epstein-Barr-Virus, Hepatitis B und C, SARS und Coronaviren.

Naturphilosophie

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Welche naturphilosophische Sicht und humorale Qualität hat der Beifuss?

Ist eine alte Hexen- und Schamanenpflanze und besonders beliebt in der Frauenheilkunde. In neueren Zeiten auch gerne genutzt in der Männerheilkunde.

Die Zuordnung der Signaturen entspricht den Planeten Uranus, Mond, Merkur, Venus und Mars und steht mit dem Element Feuer (Humores: Chole) in Verbindung.


Choleriker mit Element Feuer
Rumpelts
Und Polterts
In den Gedärmen
Biboz treibet böse Dämonen aus'm
Wanst
Beifuss - Priska Hitz, 14.10.2019

  • Humorale Qualität: 
    • kühlend 0-1°, wärmend 2-3°, trocknend 1-2°, befeuchtend/nährend 2° 
  • Befeuchten / nähren und wärmen: 
    • Appetitlosigkeit, Blähungen, Verdauungsschwäche, Gelbsucht, Medikamentenunverträglichkeit, Gallensteine, Leberbeschwerden, Chronisches Müdigkeits-Syndrom (CFS), Magenkrämpfe, Menstruationsprobleme, Reizbarkeit, Depression, Kopfschmerzen, Gicht, Unruhe
  • Trocknen und wärmen: 
    • Ausfluss, chronischer Pilzinfektion, Fibromyalgie
  • Schärfen ausleiten und kühlen: 
    • Gebärmutterentzündung, Blasenentzündung, Candida albicans und andere Pilze
  • Parasiten eliminieren: 
    • Helminthen, Spulwürmer, Madenwürmer

Weiterführende Informationen

Quellverzeichnis

  1. Prof. Dr. J. Berendes: Arzneimittellehre in fünf Büchern, deutsche Übersetzung von Dioskurides, Verlag von Ferdinand Enke, 1902
  2. Wissenswertes zu Ambrosia: www.ambrosia.ch/pflanze/verwechslungsarten/
  3. Wikipedia: Gemeiner Beifuss
  4. Dr. med. Gerhard Madaus: Lerhbuch der biologischen Heilmittel, Band I bis III, Georg Thieme Verlag, Leipzig, 1938
  5. PharmaWiki: Gemeiner Beifuss
  6. Maja Dal Cero: Unsere Heilpflanzen, Ott der Sachbuchverlag, Bern 2009, ISBN 978-3-7225-0091-1
  7. Magische Pflanzen: magischepflanzen.de/beifuss/
  8. PubMed: www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=artemisia
  9. Stephen Harrod Buhner: Pflanzliche Virenkiller – Immunstärkung und natürliche Heilmittel bei schweren und resistenten Virusinfektionen, Herba Press, 2016, ISBN 978-3-946245-01-8
  10. Stephen Harrod Buhner: Pflanzliche Antibiotika – Wirksame Alternativen bei Infektionen durch resistente Bakterien, Krankenhauskeime und MRSA, Herba Press, 2015, ISBN 978-3-946245-00-1
  11. Angelika Prentner: Heilpflanzen der Traditionellen Europäischen Medizin – Wirkung und Anwendung nach häufigen Indikationen, Springer Verlag, 2017, ISBN 978-3-662-53724-4 (eBook)
  12. Peter und Gudrun Zeuge-Germann: Männerzeiten – Naturheilkunde für den Mann in den besten Jahren, Freya Verlag GmbH, Linz 2019, ISBN 978-3-99025-369-4

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